Wandernde Seelen ... oder Anina's Geschichte

 

Es war ein sonniger Tag auf dem Bauernhof der Familie Fanny auf der Alp Klaps. Zum Bauernhof gehört das grosse Haus mit dem angebauten Stall für 15 Kühe, eine Muttersau mit 4 Jungen, Pferdeeltern mit ihrem 3 Monate alten Fohlen und 7 Kanninchen. Im Haus wohnen das Bauernpaar Roger und Anita Fanny mit ihrer Tochter Anina und ihrem kleinen Bruder Seppli. Sie teilen das Haus mit den zwei Katzen, Felix der Tiger und die schneeweisse Anate, dem belgischen Schäfer Beate und dem grossen Bernhardiner Pfuri.

Langsam schliesst sich der sonnige Himmel immer mehr mit dunklen, bedrohlichen Wolken und jedem wird klar, dass ein mächtiges Gewitter im Anzug ist. Roger trieb die Kühe und Pferde von der Weide in den schützenden Stall zurück und die ängstlichen Kaninchen haben sich schon selber dahin verzogen. Selbst die Mäuse im Haus haben sich schon in ihre Schlupflöcher verzogen. Dann brach das Gewitter los! Es blitzte und donnerte so wie sie es noch nie zuvor erlebt haben auf der Alp Klaps! Zwei Täge und Nächte wütete das gewaltige Gewitter ohne Unterbruch.

Als der Regen nachliess, ging Roger mit Anina hinaus und sah, dass die lebenswichtige Wasserleitung kaputt gegangen war! Zum Glück hatten sie noch einen Brunnen und Roger schickte Anina zum Wasserholen, während er begann, die Leitung zu flicken. Anina brachte das Wasser ihrer Mutter Anita ins Bauernhaus, welche daraus einen feinen Tee kochte und ihren Mann zum Trinken ins Haus rief: „Roger! Der Tee ist fertig!“ Roger ruft zurück: „Ich kann jetzt gerade nicht kommen! Ich komme sobald es geht! Wartet nicht auf mich, aber reserviert mir ein feines Gutzli!

In der Zeit, als sie am Trinken waren, hörte Roger bei der Arbeit plötzlich ein grollendes Geräusch und wie von Geisterhand öffnete sich der Boden zwischen seinen Füssen! Roger konnte sich nicht mehr halten und rutschte in die gähnende Spalte unter ihm. Kaum war er im Erdboden verschwunden, schloss sich über ihm die Erde mit Getose! Roger lag star vor Schrecken im feucht-schlammigen Boden und es war stockdunkel um ihn herum. Er hörte unheimliche Geräusche und  wagte kaum zu atmen.

 

Anina wollte Roger holen aber sie konnte ihn nicht finden. Sie suchte im Stall und rund herum aber keine Spur von ihm! Voller Angst rannte sie ins Haus zurück zu ihrer Mutter: „Mami, ich konnte Bappi nirgends finden! Was kann nur geschehen sein?“

„Aber wir haben ihn doch eben noch gehört...du hast ihn sicher übersehen und er hat dich nicht gehört! Komm wir suchen ihn gemeinsam!“ Miteinander gingen sie nochmals in den Stall und Anina rief nach ihrem Vater! Nichts, nur die unruhigen, verängstigten Tiere! Anita begann auch immer lauter nach Roger zu rufen! Sie sind schon ums ganze Haus und den Stall gelaufen und wussten nicht mehr, wo sie noch weiter suchen sollten....Die Rufe wurden immer verzweifelter und Anina entdeckte Tränen im Gesicht ihrer Mutter und konnte ihre eigenen nicht mehr zurückhalten! Wo konnte Roger nur sein?

 

Inzwischen spürte Roger an seinem ganzen Körper seltsame Berührungen und er wagte kaum zu atmen vor Angst und Schreck! Immer kräftiger wurde er gepackt und mit einem Male spürte er, wie feine Schlingen um Hals, Arme und Beine geschlungen wurden und er durch den schlammigen Boden geschleift wurde! Er versuchte eine befreiende Bewegung mit dem linken Arm, spürte aber sofort einen brennenden Schmerz von der Schlinge und wusste sofort, dass sein Widerstand erfolglos sein würde. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als sich hinzugeben ohne zu wissen wem, warum und wohin. Nach kurzer Zeit, die ihm aber wie eine Ewigkeit vorgekommen ist, erblickte er ein heller werdendes Licht, dem er immer näher kam. Es war ein Feuer hier in der Erde. Aber was für ein Feuer? Sein Anblick löste einen seltsamen kalten Schauder aus und Roger konnte sich dieses unerwartete Empfinden in keiner Weise erklären! Je näher er dem Feuer kam, desto kühler wurde ihm! „Unmöglich!“ dachte Roger. Die Flammen schienen auch weisslicher zu züngeln in dieser schlammig nassen, dunklen Höhle als er es je bei einem Feuer gesehen hat. Wie von Geisterhand bewegt, wurde er aufgerichtet und kam damit dem Feuer noch näher. Diese Wesen würden ihn doch nicht verbrennen wollen? Roger fürchtete sich vor der Hitze, fühlte aber gleichzeitig eine eisige Kälte.

Seine Haut kam in Berührung mit diesem seltsamen Feuer.....

Roger spürte Seltsames....ein nie erlebtes Gefühl durchfloss ihn, als ob er seinem eigenen Körper entrissen würde. Bald sah er sich selber von oben herab festgebunden in diesem Feuer, das ihn aber nicht verbrannte und verkohlte sondern seine Seele auf geheimnisvolle Weise aus seinem Körper verbannte. Er fühlte sich als Geistwesen, dass sich in kurzer Zeit von einem Ort zum anderen denken oder wünschen konnte. So musste er sich nicht mehr bewegen sondern wünschte sich dahin, wo er gerade wollte. Er fand zwar rasch Gefallen an dieser neuen Möglichkeit und doch war im bewusst, dass er so nicht leben konnte! Als Geist würde er nie mehr Anita küssen oder Anina umarmen können! Und jeder Preis wäre ihm zu hoch, um auf diese Freuden des Lebens zu verzichten.

 

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